Ab in die Wüste

4. December 2017

Nach einer kurzen Einführung in die Welt der "echten" Tacos und einer kurzen Nacht in Ensenada sowie enttäuschend kleinen Wellen brechen wir am nächsten Tag auf Richtung San Felipe. Nicht aber ohne vorher noch einige Pesos und einen zusätzlichen Benzinkanister zu beschaffen. Die Tankstellen und ATM Automaten werden auf den kommenden Fahrten immer rarer. Mit unserem kleinen Tank (ca. 45 Liter) können wir knapp 350km zurücklegen. Eine gewisse Vorsorge ist somit unumgänglich. Nach endlos geraden Strassen durch die bergige und karge Landschaft von Nordbaja wird unsere Fahrt abrupt durch einen Militär Checkpoint unterbrochen. Bewaffnete Militärbeamte fordern uns auf den Van zu öffnen und untersuchen akribisch den Innenraum. Die Batterien scheinen es dem einen besonders angetan zu haben. Auf spanisch stellt er uns dazu mehrmals Fragen. Wir verstehen kein Wort. Als der Militärbeamte neben mir zusehends lockerer wird und auch anfängt zu lächeln, können wir endlich die Botschaft entschlüsseln. Er möchte zwei Batterien für seine Taschenlampe, da diese hier schwer zu bekommen sind. Wir zeigen uns grosszügig und überlassen sie ihm, in der Hoffnung endlich weiter fahren zu können. Auch beim zweiten Militär Checkpoint zeigt sich, dass zumindest der Versuch einige Worte auf Spanisch und ein freundliches Lächeln den Prozess beschleunigen. Trotzdem - mit einem alten VW Bus scheint man automatisch mit Drogen in Verbindung gebracht zu werden, weshalb die Inspektionen bei uns wesentlich länger dauern als bei anderen Fahrzeugen. So erzeugen wir jeweils eine längere Warteschlage hinter uns.

Nach rund 250km treffen wir in San Felipe ein und finden etwas ausserhalb der Stadt einen verlassenen Camping Platz. Er ist verhältnismässig gross und hat seine besten Jahre definitiv hinter sich. Die Gebäude werden der Zeit überlassen, der Sand übernimmt zusehends die betonierten Plätze und die WC Anlage ist nur noch teilweise in Betrieb. Je länger wir unterwegs sind, desto kleiner werden auch unsere Ansprüche. Man weiss Dinge, die Zuhause selbstverständlich sind, viel mehr zu schätzen. Wie z.B. nach drei Tagen bei weit über 30 Grad, viel Sand und Staub eine Duschmöglichkeit zu haben. Eine für uns eine wichtige Erkenntnis.

Am nächsten Tag brechen wir auf Richtung Valle de los Gigantes, wo uns die grossen Kakteen erwarten. Sie sind unter anderem ein Grund, weshalb wir die Westküste verlassen haben und nun vorerst einige Tage an der Ostküste verbringen wollen. Wie vermutet ist der Zutritt kostenpflichtig. Ein älterer Kubaner empfängt uns äusserst freundlich beim Eingangstor. Miguel spricht erstaunlich gut Englisch und ist besonders von unseren kanadischen Nummernschildern angetan. Er schwärmt von der schönen Natur in Kanada und fragt uns ob wir diese und jene Orte kennen. Wir erwähnen mehrmals, dass wir keine Kanadier sind doch der Aufklärungsversuch misslingt. Wir lassen es im Raum stehen. Für uns gibt es den Eintritt zum halben Preis und die Möglichkeit die Nacht gratis neben seinem Wohnwagen - resp. was davon noch übrig ist - zu verbringen. Das Angebot überzeugt. Später werden wir Miguel noch besser kennenlernen, ihn in die Stadt fahren, mit ihm lachen und über seine spannenden Geschichten staunen und ganz viele gute Tipps für unsere Reise in Mexiko erhalten. Eine äusserst gesprächige und herzliche Person. Aber zurück zum Tal der Giganten. Wir fahren den sandigen und steinigen Strassen entlang bis zu einem Wendeplatz, wo wir unseren Van vorsichtshalber abstellen und zu Fuss weiter gehen wollen als plötzlich ein Mercedes Transporter neben uns auftaucht. „Seid ihr die Schweizer?“, werden wir gefragt. Wie es der Zufall will, haben Anne Marie und Gerhard aus Österreich einen Tag früher unsere Website gefunden und unseren Van sofort erkannt. Erlebnisse und Erfahrungen über die bisherige Reisezeit werden ausgetauscht, bevor wir nun doch mit dem Van vorsichtig auf dem holprigen Weg weiterfahren. Die Grenzen der Karosserie und vor allem der Stossdämpfer werden nun ausgelotet. Wir fahren immer weiter den sandigen Strassen entlang bis neben uns eine Hinweistafel auftaucht. Ab hier nur noch mit Vierradantrieb. Wir wissen es besser und fahren weiter.