Bienvenido a México

11. November 2017

Es ist bereits früher Samstag Nachmittag als wir auf der Interstate 5 Richtung Tijuana fahren. Viel später als ursprünglich geplant. Der Plan sah einen genügend grossen Zeit-Puffer für Verspätungen oder sonstige Ungereimtheiten vor. Im Rückspiegel sehen wir die letzte Ausfahrt, die uns wieder zurück nach San Diego bringen würde, an uns vorbeiziehen. Eine letzte scharfe Rechtskurve und wir stehen in einer der vielen Spuren vor der Grenze zwischen den USA und Mexiko. Wir warten auf ein grünes Signal, das uns zum mexikanischen Grenzbeamten vorrücken lässt. Kaum erhellt die Ampel grün, winkt er uns auch schon für eine Durchsuchung raus. Nach einer kurzen Inspektion des Innenraums dürfen wir bereits wenige Minuten später weiterfahren und stecken null Komma nichts im totalen Verkehrschaos von Tijuana fest. Ohne obligates Touristenvisum! In der Hektik haben wir das Immigrationsbüro verpasst (Anm. das Gebäude befindet sich gleich bei den Grenzschranken und ist sehr leicht übersehbar). Eine kurze Panikwelle brich aus. Fu**, was nun? Wieder raus aus Mexiko in die USA und morgen früh nochmals immigrieren? Oder das Auto parkieren und auf dem Fussweg zurück in die USA um am nächsten Tag ordentlich einzureisen? Über genau jene Brücke, die man nur all zu gut aus US-Filmen kennt. Oder drittens doch versuchen einen Weg zurück an die Grenze zum gut bewachten Immigrationsbüro zu finden? Da wir in Ensenada bereits eine Unterkunft gebucht haben und es auf der Autobahn vor der Grenze in die USA weit zurück staut, entscheiden wir uns für Letzteres (Anm. sobald es in Mexiko dunkel wird, sollte man als Tourist nicht mehr auf den Strassen unterwegs sein). D.h. für uns erstmals versuchen so nah an die Grenzabsperrungen zu kommen wie nur irgendwie möglich und anschliessend auch noch einen „sicheren“ Parkplatz finden.

Wer bereits einmal mit dem Auto in Tijuana unterwegs war, weiss von welcher Herausforderung wir hier sprechen. Links, recht, vorne und hinten drücken die Fahrzeuge. Im Kreisverkehr hat es mehr Autos als Platz. Die Verkehrsführung für uns ein Abenteuer par Excellence. Es scheint ein Ding der Unmöglichkeit zu sein. Viel eher fährt uns noch jemand in die Seite als dass wir heute noch zu den dringend benötigten Papieren kommen. Wie per Zufall geraten wir ausserhalb der Grenzmauern an einen Sicherheitsbeamten, der vermutlich von seiner Arbeitspause zurück kehrt. Mit mehr als gebrochenem Spanisch und einer grossen Portion Gestik versuchen wir ihm unser Anliegen zu vermitteln. Er gibt uns ein Zeichen, dass wir an der Seite eines grossen Eingangstors mit massiven Metalstangen und Sicherheitspersonal dahinter parkieren sollen. Wir sind ein bisschen irritiert und uns nicht ganz sicher, ob er unser Problem auch wirklich verstanden hat. Folgen ihm dennoch mit den nötigen Papieren.

Er führt uns direkt in die Grenzzone, durch sämtliche Absperrungen und Sicherheitstüren, neben schwer bewaffneten Beamten vorbei. Immer wieder gibt er uns ein Zeichen möglichst nahe bei ihm zu bleiben. Geschafft, wir stehen im Gebäude ‚Immigration’ und können doch noch das Touristenvisum beantragen. Das Fahrzeug konnten wir jedoch nicht mehr offiziell importieren, da der erwähnte Beamte merklich nervöser wurde. Im Abendverkehr schlengeln wir uns im Schneckentempo aus Tijuana heraus und fahren Richtung Ensenada. Die Sonne verabschiedet sich allmählich und all die Geschichten um die Federales drängen in unsere Köpfe. Polizisten die einem ohne Grund anhalten und auf ein "Trinkgeld" aus sind. Nein danke! Wir drücken aufs Gaspedal. In Ensenada angekommen, öffnet uns im Hostel ein älterer Herr mit Strohhut und dichtem Schnauz die Tür. ¿Hablo inglés?, frage ich. ¡No! Bienvenido a México.