Verschiffung - Teil 2

29. March 2018

Nachdem wir einige Tage in Kolumbiens Hauptstadt Bogota verbracht hatten, flogen wir am Montag, 21. März nach Cartagena. In Cartagena sollte unser Van nach rund zwei Tagen auf hoher See ankommen.
Unser Agent in Panama hatte uns vorgängig die Nachverfolgungsdaten zugestellt und so konnten wir jederzeit überprüfen, wo sich das Schiff zum aktuellen Zeitpunkt gerade befindet. Wegen einem nationalen Feiertag musste das Frachtschiff am Montag noch vor dem Hafen liegen bleiben bevor es dann planmässig am Dienstagmorgen entladen bzw. gelöscht werden konnte.

Für den Prozess in Kolumbien haben wir am Montagabend von unserem Agenten einen detaillierten Ablauf erhalten. Dumm nur, dass dieser fast ausschliesslich auf die Verschiffung mit einem Container zutraf. Wir haben unsere Fahrzeuge jedoch auf einem Flatrack und somit einem anderen Logistikunternehmen verschifft. Mit etwas Gelassenheit, Zeit und den bekannten Overlander Apps haben wir uns auch diesen Prozess selbständig zusammengetragen. Obwohl eine gewisse Unsicherheit mit von der Partie war, im Sinne von „haben wir denn auch an alles gedacht“ respektive „stimmen die Koordinaten von den aufzusuchenden Firmen und Gebäuden“, sind wir am Mittwochmorgen früh mit unserem Verschiffungspartner in dieses Abenteuer gestartet. Erwarteter Zeitaufwand: 1 bis 2 Tage.

Wie es schlussendlich ablief:

Mittwochmorgen, 23. März 2018
Taxi zum Hafen von Cartagena (Gebäude von SeaBride) nehmen. Am Schalter ausweisen, Fragen beantworten und ein Formular ausfüllen. Gebühr direkt am vor Ort bezahlen — Fehlanzeige. Die USD 100 müssen überwiesen werden. D.h., 1km zum nächsten Supermarkt laufen. Schalter öffnet erst um 10 Uhr. 1 Stunde warten. Geld einzahlen, Quittung mitnehmen und zurück zu SeaBride laufen. Dokument für DIAN (Zollbehörde) ausgestellt bekommen und Fahrzeugschlüssel verlangen. Taxi zu DIAN nehmen. Formular ausfüllen. Zum nächsten Kopiershop gehen und unzählige Kopien machen. Wieder zurück zu DIAN und gewünschte Kopien und Formular abgeben. 1.5km zum Hafengelände laufen. Besucher Badge beziehen und zuständige Person suchen. Formular ausfüllen. Persönliche Reiseversicherungspolicen abgeben (damit wir überhaupt auf das Hafengelände dürfen — Safety first). Warten.

Offizielle Mittagspause (wird strickt eingehalten). Mittagessen an der Tankstelle. Zurück zum Hafenmitarbeiter. Warten. Dokumente unterzeichnen. Warten. Rechnung für die Hafengebühren beim Bankschalter begleichen. Die Rechnung war beinahe USD 400 (USD 784) teurer als unser Agent stets behauptet hat. Danke! (Alle waren genervt). Quittung abgeben und fertig. Nächster Termin: Donnerstagmorgen 8:30 Uhr.

Versicherungsgesellschaft aufsuchen und feststellen, dass Fahrzeugversicherungen für Reisende nur zwischen 8:00 und 12:00 ausgestellt werden. Ausnahmslos!

Donnerstagmorgen, 25. März 2018
Um 8 Uhr morgens die obligatorische Fahrzeugversicherung (SOAT) abschliessen. Taxi zum Hafen nehmen und beim Hafenmitarbeiter anmelden. Ein weiteres Formular ausfüllen und wieder Fragen beantworten. Instruktionen für den Entladungsprozess erhalten. Leuchtweste und Helm anziehen. Warten. Zum Hafeneingangsbereich eilen und dem Zuständigen die Papiere übergeben. Mit dem Shuttlebus durchs Hafengelände (ziemlich imposant) zu unseren Fahrzeugen fahren. Erste persönliche Inspektion. Oh Schreck! Die Seitenscheibe von Douglas ist völlig zerschlagen und im linken Hinterrad ist kaum mehr Luft drin. Warten. Van wird durch einen Hafenmitarbeiter vom Flatrack zum Parkplatz gefahren. Beweisfotos machen und zurück zum zuständigen Hafenmitarbeiter. Fotos übergeben.
Warten. Taxi zum DIAN nehmen, um ein Formular abzuholen (man könnte fast meinen, Fax und Internet seien noch nicht erfunden worden). Kurz vor Mittag: Fahrzeuge können nun doch noch nicht entgegengenommen werden.

Offizielle Mittagspause. Rückkehr zum Aufenthaltsbereich. Einmal mehr: warten. Vertröstet werden. Warten. Endlich! Dokument ausgehändigt bekommen und zurück zum Hafengelände eilen. Reisepass scannen lassen und Dokumente dem Hafenmitarbeiter übergeben. Hafenmitarbeiter stellt völlig genervt fest, dass die Dokumente fehlerhaft sind. D.h. Wir warten.
Und nun klappt es dann doch noch. Es folgt eine letzte Verifizierung anhand der VIN Nummer, um festzustellen, ob wir den auch die tatsächlichen Inhaber sind. Alles rechtens. Wir fahren vom Hafengelände.

Inzwischen ist es weit nach 16 Uhr und die ursprünglich geplante Weiterreise Richtung Medellin in weite ferne gerückt. Wir fahren zur nächsten Tankstelle, lassen den Reifen aufpumpen und den Tank auffüllen. Suchen ein sicheren Parkplatz (ohne Höhenbeschränkung) und buchen eine weitere Nacht im Hostel. Mit einem Bier stossen wir auf die Freilassung von Douglas und die kommende Zeit in Südamerika an. Ein teures und anstrengendes Kapitel geht damit zu Ende.