In einem Tag durch Honduras

22. February 2018

Wir haben uns entschieden Honduras in einem Tag zu durchfahren. Nicht etwa weil es eines der gefährlichsten Länder Zentralamerikas ist sondern weil wir uns für die beschränkte Zeit die wir in Mittelamerika haben hauptsächlich aufs Surfen konzentrieren wollen.

Um einen solchen Tag mit zwei Grenzübergängen und 320km Fahrdistanz auf uns unbekannten, vielleicht schwer befahrbaren Strassen meistern zu können, muss man einiges im Vornherein planen.

Bereits einige Tage zuvor hatten wir ein Formular für die Einreise nach Nicaragua ausfüllen müssen - ein Lückentext im Wordformat. Am Tag vor der Grenzüberfahrt sind wir nach El Cuco (El Salvador) gefahren. Ein beliebtes Surferdorf, welches für uns jedoch nur als Sprungbrett nahe an der Grenze dienen soll. Ziel am Ende des Tages ist Jiquilillo, das nördlichste Dorf von Nicaragua am Pazifik. Genauer gesagt Rancho Esperanza, ein Hostel mit günstiger Campingmöglichkeit, welches uns im iOverlander App am meisten überzeugt hatte.

Unsere Devise lautet: Früh aufstehen und los fahren um möglichst früh an der Grenze zu sein. Unser Zeitplan: Schlimmstenfalls 3h pro Grenzübergang. 3h 40min Fahrzeit laut Maps.me app was wir mit einem Erfahrungsfaktor von 1.8 multiplizieren - Tank-, Essens- und WC-Stops sowie langsameres Fahrtempo durch erschwerte Strassenverhältnisse oder Stau.
Besonders die Strasse in Honduras ist ein grosse grosse Unbekannte, da sie noch im Bau ist und viele Baustellen die Fahrt verzögern könnten. Also insgesamt 12h. Respektive von 6 Uhr morgens bis 6 Uhr abends, gerade bevor es dunkel wird, da in der Nacht fahren keine Option ist. Der Plan könnte also aufgehen.

Etwas verspätet fahren wir um 6:30 Uhr aus El Cuco raus Richtung Grenze. Es ist Sonntag. Kein Zufall denn bis heute sind wir immer Sonntags über Landesgrenzen gefahren im Glauben, dass es weniger Werkverkehr gibt der unsere Fahrt verlangsamen könnte.
An der Grenze zu Honduras überholen wir auf der Gegenfahrbahn dennoch eine wahrscheinlich verhältnismässig kurze Kolonne von Lastwagen. Pro Lastwagen ein Touristenfahrzeug lautet eine Faustregel. Wir nehmen uns dieses Recht.

Nach der LKW Kolonne weist uns ein Grenzbeamte an zur Seite zu fahren. Sogleich steht einer der inoffiziellen Helfer am Fenster um uns für ein Trinkgeld beim Papierkrieg zu unterstützen. normalerweise ziehen wir es alleine durch, was durchaus machbar ist, dieser lässt sich jedoch kaum abwimmeln. Zuerst benötigen wir eine Kopie der Fahrzeugimportpapieren von El Salvador, zudem lassen wir unseren Fahrzeugtitel kopieren, da wir davon nicht mehr viele Kopien übrig haben. An einem Schalter kontrolliert ein Beamte die temporären Importpapiere, setzt Unterschrift und Stempel darauf. Diese müssen wir wieder dreifach kopieren lassen. Das Original wird zuletzt beim Grenzbeamten geprüft und unterschrieben bevor wir weiterfahren können. Unser Helfer besteht darauf, dass wir bei seinem Kollegen, welcher mit einem dicken Bündel an Geldscheinen verschiedener Währungen neben ihm steht, zu einem doch eher schlechten Wechselkurs Geld für die nächsten Grenzstationen tauschen. Wir wissen es besser und behalten unsere USD. Nach ein paar Kilometern wird Douglas von zwei netten Polizisten und dessen Spürhund durchsucht. Wir zeigen unseren Pass und können weiter zum Schalter wo uns die Ausreise auf einer Quittung bestätigt wird. Etwas weiter die Strasse runter wird uns die Quittung wieder abgenommen und die Fahrt zum Grenzposten von Honduras gewährt. Hier werden wir von einem Mann im T-Shirt angehalten, händigen ihm mehr unfreiwillig Pass, Titel und Importpapier aus und folgen ihm zum Grenzposten. Für den Fahrzeugimport, was am meisten Zeit in Anspruch nimmt, zeigen wir dem Verantwortlichen unseren Van und lassen ihn die relevanten Fahrzeugnummnern vergleichen. Wir gehen zur Passkontrolle, zahlen je 3 Dollar und kriegen einen Stempel. Die gestempelte Seite müssen wir nun kopieren lassen, sowie meinen Fahrausweis. Für den Fahrzeugimport werden die Kopien zweifach benötigt. Nach einiger Wartezeit und 45 USD Bearbeitungsgebühr, können wir mit dem neuen Importpapier weiterfahren. Ein paar Hundert Meter weiter wird dieses Papier erneut durch einen Polizisten kontrolliert. Geschafft - wir sind in Honduras und das nach nur knapp zwei Stunden an der Grenze.

Die fahrt durch Honduras ist anders als befürchtet ziemlich angenehm, die Strassen sind bis auf einen kurzen letzten Abschnitt neu geteert und der Stau wegen Baustellen hält sich auch in Grenzen.

Nun beginnt das ganze Spiel von vorn, jedoch sind die Warteschlangen an den Schaltern um einiges länger und die LKWs versperren zum Teil die Durchfahrt. Am Grenzposten zu Nicaragua werden die Räder von Douglas mit Chemikalien besprüht (Fumigation), die Quittung dazu und ein Deklarationsformular, das wir ausfüllen müssen, ist wichtig. Anders als andernorts geschieht der Rest des formellen Grenzübertritts im und ums gleiche Gebäude. Im Gebäude müssen wir Pass und Importpapier kontrollieren lassen, wieder raus Kopien machen lassen, rein Bestätigung des Word Dokuments überprüfen lassen, raus einen Beamten finden, der sich Zeit nimmt um kurz in den Van zu schauen und das Deklarationsformular zu unterschreiben und schliesslich wieder rein um den Fahrzeugimport zu vollziehen. Am Geldautomaten nebenan holen wir uns noch Cordobas (die Währung von Nicaragua) und USD als Notreserve. Bei der Ausfahrt wird uns zu guter letzt Pass und Importpapier kontrolliert und die ermüdende Einreise von El Salvador über Honduras nach Nicaragua ist vollbracht. Nach anderthalb Stunden Fahrt dem Sonnenuntergang entgegen erreichen wir unser Ziel Rancho Esperanza. Ein absolut idyllischer Ort, wo wir uns überraschenderweise für eine ganze Woche zuhause fühlen werden.