Lachse Sand Meer

16. October 2017

Unsere erste Station nach der Überfahrt in die USA ist ein verschlafenes Dorf an der Küste von Washington. La Push ist Teil des "Native Reserve" vom "Quileute Tribe", der sich vor tausend Jahren hier angesiedelt hat. Anfang Oktober ist die Hauptsaison auf dem Resort, wo wir einen Platz für unseren Van zum übernachten finden bereits vorbei. Im Sommer suchen hier Twilight Fans anscheinend nach Jacob. Einige Besucher gibt es aber doch noch. Die meisten sind hier mit ihren langen Einfamilienhäusern auf Rädern neben grossen Lagerfeuern am campen.

Uns hat es mehr aus Zufall hierher verschlagen. So schnell wie möglich an die Küste war die Devise. Der Strand ist überschwemmt mit bis zu Mammutbaum grossem Treibholz. Die Sonne geht hinter den aus dem tosenden Meer ragenden, mit Tannenwaldkronen gesäumten Inseln unter. Traumhaft.

Am zweiten Tag spazieren wir durchs ausgestorbene Dorf um zu sehen, was es neben dem grossen Resort sonst noch in La Push gibt. Verlassene und heruntergekommene Häuser sowie verrostete Autofraks deuten darauf hin, das es hier nicht mehr viel gibt ausser den Tourismus im Sommer.

Überraschend begegnen wir im kleinen Hafen einigen Fischern beim Zerlegen von einem Duzend oberschenkelgrossen Pazifischen Lachsen. Auf die Frage wie weit im Meer draussen die Lachse gefangen wurden, erklären uns die Männer lachend, gleich um die Ecke bei der Flussmündung würden wir den Fischern zuschauen können, wie sie die Fische aus dem Wasser ziehen. Das sei interessanter als hier wo die Tiere bei ihnen auf dem Filetiertisch schon Tod seien. Sein Bruder sei gerade draussen, meint der Eine, während er dem Lachs zwischen seinen Fingern mit einem gekonnten Schnitt den Kopf abtrennt.

Zu dieser Jahreszeit wandern die Lachse vom Meer die Flüsse aufwärts zu ihren Brutplätzen, wo sie schliesslich vor Erschöpfung sterben. Der ideale Zeitpunkt für die Fischer, um daraus Profit zu schlagen. Doch nicht mit Angel und Köder. Verschiedene kleine Ruderbote sind bei der Flussmündung im Meer in Rufdistanz zum Ufer im Wasser verteilt. Auf jedem steht ein stolzer Fischer davon die meisten "Natives". Jedes Boot ist umgeben von einer Reihe weisser Bojen. Und prompt zappelt es im Wasser. Am Netz entlang zieht sich der Angler zur gegebenen Stelle, holt den Fisch ins Boot und befreit ihn vom Netz, während es an einer anderen Stelle im Wasser wieder zappelt und das ganze Spiel von vorne beginnt. Gleichzeitig ist es auch ein Katz und Maus Spiel mit einer Robbe, die ums Netz schwimmt und sich die leichte Beute nicht entgehen lassen will. Nach einer gewissen Zeit haben die Fischer so viele Lachse ins Boot geholt, dass wir sie nicht mehr zählen können.

Am Abend kehrt Einer nach dem Andern zum Hafen zurück um seine Tagesbeute in grossen blauen Containern von einem Gabelstapler abtransportieren zu lassen. Erlös gibts pro Pfund und einen der Fische zum nach Hause nehmen für die eigene Familie. Es sei ein mässig guter Tag gewesen meint der eine Fischer - nur so 60-70 Fische habe er rausgezogen.

Wir verlassen La Push mit gemischten Gefühlen. Wunderbarer Strand aber eisig kalte Nächte. Eine interessante Kultur und Vergangenheit der Uhreinwohner, die aber zusehends vergessen und verloren geht und mehr zur Attraktion für schaulustige Touristen wird. Der König der Fische einst wohl gefangen genommen zur Abdeckung des Eigenbedarfs der "Natives", heute Hauptexport Produkt.