Anders als erwartet

1. February 2018

Mit Baja California sind wir das erste Mal auf mexikanischem Boden gereist. Generell war dies für uns sowohl sprachlich wie auch kulturell ein ganz neuer Abschnitt. Manchmal auch eine Herausforderung. Nach etwas mehr als drei Wochen in Baja, vielen schönen Begegnungen und Erlebnissen, haben wir Ende November 2017 unseren Van von La Paz in Baja California aufs mexikanische Festland nach Mazantlan verschifft. Zugegeben: ein bisschen nervös waren wir schon. Lange war nicht klar, ob wir denn auch im Besitz sämtlicher relevanten Dokumente für den Fahrzeug Import sind und die mexikanischen (Kartell-) Filme und Serien zeichneten (vorläufig) auch ein eher düsteres Bild. Geschweige denn von all den - leider sehr schrecklichen - Medienberichten, die es nach Europa schaffen.

Aber das Verschiffen klappte gänzlich Problemfrei und auch die angegebene 16 stündige Überfahrt dauerte kürzer als angegeben. Unsere Kabine hatte sogar eine Dusche, was nach vier Tagen campen am Tecolote Beach eine sehr willkommene Ausstattung war. Wie es der Zufall wollte, trafen wir auf dem Schiff die Jungs von @exploringtheamericas wieder. Letzteres war auch insofern optimal, als dass wir die anschliessende Todesstrasse - wie sie von den Einheimischen wegen den vielen Überfällen und Entführungen auch genannt wird - im Konvoi durchfahren konnten. Die anschliessende Fahrt war zwar lange und führte uns durch so einige Dörfer bis wir schliesslich wieder zurück an der Küste waren. In San Blas fanden wir unsere erste Übernachtungsmöglichkeit. Ein hübsches Plätzchen direkt am Meer. Das nächstgelegene Restaurant hat uns freundlicherweise einen alternativ Abstellplatz offeriert, falls wir in der Nacht von der Polizei überrascht werden sollten. Nach einem perfekten Sonnenuntergang wurden wir leider derart von Sandfliegen attackiert, dass wir uns trotz langer Kleidung gezwungenermassen frühzeitig in den Van zurückziehen mussten. Am nächsten Morgen fuhren wir früh weiter nach San Francisco oder wie es von den Einheimischen auch genannt wird: San Pancho. Ein "Hippie" Dorf direkt am Meer, mit vielen kleinen Cafés, farbigen Häuschen und einem guten Surfspot. Gerne wären wir hier noch etwas länger geblieben, doch leider fanden wir keine geeignete Übernachtungsmöglichkeit. Also fuhren wir weiter nach Punta Mita und landeten schlussendlich in einem Luxusresort. Ungeplant. Keine alltägliche Sache für uns aber da Pat an diesem Tag seinen Geburtstag feierte, machten wir gerne eine Ausnahme. Er konnte uns zum Glück noch einen vergleichsweise guten Geburtstagsdeal herausschlagen. Und so liessen wir es uns gut gehen - 24h all inclusive. Schnell bemerkten wir jedoch, dass all inclusive Angebote auch eine ganz bestimmte Klientel anzieht. Format: „einer geht noch, einer geht noch rein“. Anfangs noch unterhaltsam, später dann eher - widerlich. Je später der Nachmittag, desto mehr verloren, oftmals eher etwas älteren Semester, die Körperbeherrschung und teilweise auch den Anstand gegenüber dem Hotelpersonal.
Trotz vergleichsweise bescheidenen spanisch Kenntnissen wurden wir vom Barpersonal mit vielen (Reise-) und vor allem Surftipps eingedeckt und fast ein Spürchen zu gut umsorgt. Man schien wohl Gefallen an uns zu entwickeln. Wie man in den Wald schreit, so kommt's eben auch zurück. Die Abendschicht an der Bar bat uns dann noch später im Hotel eigenen Club vorbeizuschauen und so standen wir plötzlich inmitten in einer mexikanischen Hochzeit. Man darf hier sicherlich sagen, dass wir an der guten Stimmung nicht ganz unschuldig waren. Ein unvergessliches Erlebnis, das bis in die frühen Morgenstunden dauerte.

Nach drei super Tagen mit den kanadischen Jungs trennten sich leider bereits wieder unsere Wege. Wir fuhren nach Puerto Vallarta, um unseren Freund Marc zu besuchen und die zwei Jungs mussten sich beeilen um rechtzeitig für Weihnachten in Nicaragua zu sein. Puerto Vallarta war für uns sogleich auch etwas Ferienzeit. Denn die letzten Monate haben wir fast ausschliesslich im Van verbracht und nur wenn es nicht anders ging auch mal in einem Hostel oder "Hotel" übernachtet.
Seit langem tauchten wir auch wieder einmal ins pulsierende Nachtleben ein. Anders als viele Leser (daheim) vielleicht vermuten, sind wir äussert selten am "feiern", weil wir grundsätzlich Grossstädte meiden, mangels sicheren Parkierungsmöglichkeiten für Douglas und abseits von diesen Orten kaum etwas läuft. Deshalb spricht man hier in Mexiko unter Overlandern nach 21 Uhr auch von der "mexican midnight". An den neuen Rhythmus mussten wir uns zuerst wieder gewöhnen.
Unser Freund Marc führte uns ziemlich schnell in die Welt von Tequila und Mezcal ein. Und eines lässt sich hier klar festhalten: er schmeckt definitiv besser als jenen, den wir zu Hause serviert bekommen. Zudem wird er nicht nur als Shot sondern auch (überraschenderweise) mit Soda getrunken. Das kann dann auch mal böse enden.
An dieser Stelle nochmals Danke and Marc und Ötzi für die super Zeit in Puerto Vallarta!

Nach unserem länger als ursprünglich geplanten Zwischenstopp in Puerto Vallarta brachen wir nach etwas mehr als einer Woche auf Richtung La Ticla, einem bekannten Surf Spot im Bundesstaat Jalisco. Er wurde uns vom Barmann in Punta Mita empfohlen und ist auch Dauergast in den bekannten Surfmagazinen. Dem entsprechend viele Surfer zieht es auch an diesen Ort. Für uns war es aber leider ein Level zu hoch. Zu gross waren die Wellen, zu stark der Backwash. Geschweige denn der einmündende Fluss, der das Hinauspaddeln noch zusätzlich erschwert. Nach zwei Tagen reisten wir etwas ernüchtert weiter durchs gebirgige Küstengebiet mit dem Ziel La Saladia im Bundesstaat Guerrero.
Doch es kam alles anders. Kurz vor der Bundesstaatsgrenze wurden wir in Michoacan durch die Polizei aufgehalten und über die in Guerrero lauernden Gefahren aufmerksam gemacht. Uns wurde sehr nachdrücklich empfohlen ausschliesslich in Hotels zu übernachten und den Bundesstaat Guerrero schnellstmöglich zu durchfahren. Das Gebiet sei seit einiger Zeit nicht mehr sicher. Obwohl wir gut informiert und vorbereitet waren, verunsicherte uns diese Warnung stark! So mussten wir uns kurzum neu organisieren.

Glücklicherweise fanden wir dann einen geeigneten Übernachtungsplatz in Barra de Nexpa. Nebst einigen Bungalows und Hostels gibt es hier nicht viel. Wer hierher kommt, will vor allem eins: surfen. Und so konnten wir seit langem wieder einmal unsere Surfboards auspacken und einige Wellen reiten.
In unserer ersten Nacht wurden wir plötzlich durch lautes Motorengeräusch aufgeschreckt. Auf einmal waren wir umzingelt von Militär, die das Gebiet durchsuchten und unseren Van mit ihren Scheinwerfern komplett ausleuchteten. Unser Nachbar, Langzeitcamper und unter den eingefleischten Overlandern bekannt als Captain Jim, erklärte uns am darauffolgenden Tag, dass hier ab und zu Männer mit Pistole und Walkie Talkie anzutreffen seien. Dies seien jedoch keine Polizisten sondern Mitglieder des ortsansässigen Kartells. Sein Tipp: einfach weitergehen und nicht einmischen. Gesagt, getan.

So waren wir dann auch ein bisschen verunsichert, als wir eines Tages von doch etwas dubios aussehenden Männern auf unser Equipment - insbesondere unsere mobile Solaranlage - angesprochen wurden. Zeitweise glaubten wir die Solaranlage abgeben zu müssen. Unsere Angst täuschte jedoch. Wahrscheinlich waren es nur einheimische Fischer, die sich mit small talk versuchten.

Nach einem schönen und erholsamen Aufenthalt in Nexpa sollte uns die ursprüngliche Planung in einem grossen Bogen vorbei an Acapulco nach Playa Ventura führen. Aufgrund der grossen Distanz planten wir jedoch einen Zwischenstopp in La Saladita ein. Dort trafen wir dann auf Dave. Ein sehr bewundernswerter Mensch. Obwohl er im Rollstuhl sitz, bereist er seit Jahren die USA und Mittelamerika. Ganz alleine. Es waren sehr inspirierende Gespräche. Er zeigte uns, nach der letzten Verunsicherung in Nexpa, wieder den Grundgedanken unserer Reise auf. Neue Länder und Kulturen kennen zu lernen um Vorurteile zu überwinden und das Gute in den Menschen zu sehen neben dem vergleichsweise wenigen Schlechten was sich in den Medien breit macht aber die Ängste vor dem Fremden schürt.

Nach La Saladita hielten wir planmässig in Playa Ventura und konnten dort auf dem sehr schönen und gepflegten Grundstück von Esther, einer Schweizerin, die vor mehr als 20 Jahren ausgewandert ist, übernachten. Sie erklärte uns dann auch, dass die Bundesstaaten jeweils behaupten sicherer zu sein als der Nachbarbundesstaat. Wer also nicht in entsprechenden (dubiosen) Geschäften involviert ist, reist und lebt in Mexico sehr sicher. Oder zumindest nicht unsicherer als in anderen Ländern. Nach zwei Übernachtungen in Playa Ventura erreichten wir nach einem langen Fahrtag schliesslich Puerto Escondido, wo sich unsere Wege erstmals trennten. Ich blieb in Puerto Escondido und Mathias gönnte sich mit Anouk, die hierhin eingeflogen war, die langersehnte Zeit der Zweisamkeit.

Nach fast zwei Monaten Mexiko können wir guten Gewissens festhalten, dass wir ein sehr abwechslungsreiches und schönes Land bereist haben. Die Menschen waren sehr freundlich und wenn sprachlich möglich auch sehr hilfsbereit. Das Essen war wie erhofft ausgezeichnet. Auch wenn das Land leider immer wieder negativ in den Medien Schlagzeilen macht, beschränken sich diese Ereignisse doch auf eine ganz bestimmte Gruppe. Wer - wie in so manchen Ländern dieser Welt - einige Grundregeln beachtet, ist unserer Ansicht nach sehr sicher unterwegs. Wir werden ganz bestimmt wieder einmal nach Mexiko reisen.