Vantastisch!

15. December 2017

In den ersten zwei Monaten unserer Reise im Van haben wir viele schöne Orte gesehen, unvergessliche Erlebnisse gehabt und wichtige Erfahrungen gesammelt. Neue Leute kennen gelernt und uns langsam an das Leben im Van gewöhnt. Wir haben jedoch auch viel Zeit mit Fahren und Organisieren verbracht und in einer doch eher kurzen Zeit eine lange Strecke zurück gelegt. Denn anders als bei einem zweiwöchigen Standurlaub, müssen wir jeweils viel im Voraus planen. Denn nicht alle Übernachtungsplätze gelten als sicher bzw. sind für unseren Van zugänglich. Deshalb haben wir uns zum Ziel gesetzt in Baja wieder länger an einem Ort zu verweilen. Einfach nichts tun, die Füsse hochlagern und vielleicht sogar wieder einmal ein Buch aufschlagen. In Bahia de los Angeles haben wir einen dafür geeigneten Ort gefunden. Ein kleines Dorf mit einer schönen Bucht und kristallklarem Wasser. Einfach perfekt. Zudem verbringen hier etwas 30 Whale Sharks - so hat man uns gesagt - die Wintermonate. Der Walhai ist der grösste Hai und zugleich auch der grösste Fisch. Er ernährt sich nicht etwa von Menschen sondern ausschliesslich von Plankton.

Somit eine perfekte Gelegenheit um einmal mit diesen atemberaubenden Haien schwimmen zu können. So haben wir an unserem letzten Tag in Bahia de Los Angeles - nach drei Tagen Erholung - eine Bootstour hinaus zu den Walhaien gebucht. Zu unserem Erstaunen würden wir nicht nur mit Walhaien sondern auch noch mit Robben schwimmen können. Nach einer guten Dreiviertelstunde erreichen wir mit unserem kleinen Holzboot einen grösseren Felsen, worauf sich einige Robben sonnen und auch im Wasser vergnügen. Weit und breit keine Touristen, nur wir und eine mexikanische Familie. Wir sind jedoch die einzigen, die sich ins Wasser wagen und prompt, wo wir bereits die Füsse ins Wasser setzen, werden wir durch den Bootskaptain darauf aufmerksam gemacht, dass die Robben gerne auch einmal zubeissen und wir folglich genügend Abstand halten sollen. Ein etwas später Hinweis, die Vorfreude ist zu gross als dass uns dies nun abschrecken würde und doch springen wir mit einem etwas mulmigen Gefühl ins Wasser hinein.

Kaum befinden wir uns im Wasser, kommen auch schon die ersten Robben auf uns zu geschwommen. Sie sind derart verspielt, das sie neben und unter uns durch schwimmen. Aber hie und da zeigen sie auch ihre Zähne. Wir schrecken jeweils kurz auf, filmen jedoch weiter. Kurzum werden die Wellen dann doch zu gross, sodass sich das kleine Boot kaum noch an Ort und Stelle halten kann, weshalb wir leider zurück müssen. Wow, was für ein unglaubliches Erlebnis! Wir sind noch Minuten lang hin und weg. Damit haben wir wirklich nicht gerechnet. Zwischenzeitlich hat sich durch die hineinbrechenden Wellen die Fahrerkabine mit Wasser gefüllt und der Kapitän steht knietief im Wasser. Mit unserer mitgebrachten Plastikbox helfen wir ihm das Wasser zurück ins Meer zu schütten und fahren anschliessend in eine kleine, windgeschützte Bucht.

Für mich geht hier überraschenderweise ein lang ersehnter Traum in Erfüllung. Einmal mit wilden Delfinen schwimmen zu können. Kaum fahren wir in diese geschützte Bucht hinein, tauchen auch schon die ersten Delfine auf. Sofort ziehen wir die Flossen und die Taucherbrille an und springen ins Wasser. Doch die Delfine sind für uns viel zu schnell unterwegs. Nur einmal tauchen sie kurz hinter uns auf. Nach einigen Minuten geben wir schliesslich auf. Als wir dann aber mit dem Boot weiterfahren, tauchen sie immer wieder neben uns auf, springen zum Teil akrobatisch aus dem Wasser und begleiten uns für eine Weile auf unserem Weg aus der Bucht. Was für ein Tag! Besser kann es kaum mehr werden.

Nun sind wir schon ca. zwei Stunden unterwegs, als wir in genau jene Bucht steuern, wo sich die Walhaie befinden. Leider aber wird das Meer immer unruhiger und somit auch das Wasser trüber, sodass wir kaum mehr daran glauben überhaupt noch einen Walhai anzutreffen. Nach etwas Suchen sehen wir dann doch noch einen. Wieder mit Schnorchelausrüstung im Wasser versuchen wir krampfhaft nahe genug an den Walhai heranzuschwimmen, doch der Wellengang ist einfach zu stark. Wir driften immer mehr ab, weshalb wir schliesslich aufgeben müssen.

Inzwischen ist es merklich kühler geworden und der Wellengang hat spürbar zugenommen. Bei der Rückfahrt schlägt das Boot immer wieder heftig auf den Wellen auf, Wasser spritzt uns ins Gesicht und gelangt ins Boot hinein. Wir wären nicht wirklich überrascht gewesen, wenn das alte, eher fragile Boot bei diesen Wellen auseinander gebrochen wäre. Die Kinder der mexikanischen Familie scheinen sich auch immer unwohler zu fühlen und vor allem zu frieren, weshalb wir ihnen dann auch unsere Badetücher geben um sie ein wenig vor der Kälte zu schützen. Um in den Hafen zurück zu gelangen, benötigen wir über eine Stunde. Wir verlassen Bahia de los Angeles Richtung Scorpion Bay wohl erholt und mit einer unvergesslichen Erinnerung.